Bologna Children’s Book Fair 2018

Heute möchte ich euch etwas Spannendes aus meinem sonst recht ruhigen Leben als Zeichnerin und Kinderbuch-Illustratorin erzählen. Denn vor fast einem Monat, vom 25.-28. März 2018, durfte ich an einer der größten internationalen Messen für den Kinder- und Jugendbuchmarkt – der 55. Bologna Children’s Book Fair – teilnehmen, um am Stand der internationalen Kinderbuchgesellschaft „Society of Children’s Book writers and illustrators“ einige Stunden Präsenzdienst als Illustrator Coordinator für die Region Belgien/Luxemburg zu leisten, mein Buchprojekt zu präsentieren und mir einen Eindruck über die Welt des internationalen Kinderbuchmarktes zu verschaffen.

 

Die gemeinnützige Organisation SCBWI, die in vielen Ländern Europas vertreten ist, hat jedes zweite Jahr einen Messestand in Bologna, wo ihre Mitglieder – Autoren, Schriftsteller und Illustratoren aus der ganzen Welt – ihre Bücher und Illustrationen ausstellen können. So durfte auch ich den Entwurf meines Bilderbuchs, das im Herbst bei Editions Guy Binsfeld in Luxemburg erscheinen soll, präsentieren.

 

Da am Montagmorgen um neun Uhr die Messe begann,  buchte ich einen Flug am Sonntag. Die Reise nach Bologna von Luxemburg über Frankfurt dauerte 3 Stunden, die Weiterfahrt zur Frühstückspension nahe der Messe nur 20 Minuten, und kaum hatte ich den Koffer abgestellt und meine Eltern begrüßt, die ebenfalls vor Ort waren, ging es schon weiter: zum Abendessen in der Osteria de‘ poeti, wo ich meine Kollegen von der Society of Children’s Book writers and illustrators SCBWI zu einer ersten Teamsitzung treffen sollte.

Am Montagmorgen stand ich gemeinsam mit Hunderten anderer Besucher, die entweder Aussteller oder Illustratoren oder Mitarbeiter der Presse waren, vor den Eingangssschranken. Achtung: Zugang nur mit Einladung oder Anmeldung, und nicht unter 18 Jahren! Nachdem ich in der Pressestelle als Bloggerin akkreditiert worden war, und so freien Eintritt für die gesamte Dauer der BCBF hatte, konnte es losgehen. Insgesamt schien mir der Messebetrieb sehr gut organisiert zu sein, was auch dringend nötig ist: es sind jährlich über 25.000 Besucher und rund 1.390 Aussteller zu managen.

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Beladen mit Rucksack und Portfoliotasche kämpfte ich mich durch den Ansturm der Besucher. Die Anzeigenwand der Illustratoren „Illustrator’s wall“ war mein erstes Ziel – und jetzt war ich froh über die guten Tipps von Kollegen, die geraten hatten, früh dort zu sein. Denn weite Teile der meterlangen Wandflächen waren bereits mit Postkarten und Plakaten von Illustratoren beklebt und bepinnt – doch es gab noch ein leeres Plätzchen hoch oben. Eine Stunde später war meine Postkarte weg, und so ging es in den nächsten Tagen weiter: ich suchte immer neue Stellen, bis gar nichts mehr frei war und ich die Postkarten einfach auf den Boden legte, so wie manch andere Kollegen vor mir. Nächstes Mal nehme ich auch ein DinA4-Plakat mit! Denn die Verlage nutzen die Wand durchaus als Informationsquelle und gehen immer wieder hin, um Fotos von interessanten Illustrationen zu machen oder sich Karten mitzunehmen.

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Den Vormittag des Montag (und Dienstag) verbrachte ich mit der teils sehr anstrengenden Suche nach Portfolio-Sprechstunden – auf englisch sehr krass  „illustrator’s surgery“ genannt. Diese wollte ich nutzen, um mich in die Schlange der Wartenden einzureihen und mit etwas Glück einer geduldigen Lektorin oder Verlagsmitarbeiterin mein Portfolio zu zeigen, und dann im besten Fall eine persönliche Visitenkarte zu erhalten oder eine Aufforderung, mehr Material an den Verlag zu schicken.

5 Minuten mussten meist reichen, denn die Schlange der Wartenden war lang, und manchmal war schon nach einer halben Stunde Schluss. Die Verlagsmitarbeiter hatten nämlich einen sehr eng geplanten Terminkalender und manche Verlage hatten auch gar keine Illustratoren-Sprechstunden veranschlagt. Zuweilen konnte man auch seine Postkarte oder Visitenkarte hinterlegen.

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Während der Portolio-Termine brodelte es um uns herum munter weiter: die Hallen waren voller Menschen, die entweder mit Mappen unter dem Arm oder mit Rollkoffern hinter sich so effizient wie möglich ihre Termine erledigen oder Informationen besorgen wollten. Für die Statistik: Fünf Gespräche schaffte ich in zwei Vormittagen, drei davon waren positiv; zwei mögliche Termine verpasste ich allerdings, weil ich in der Mittagspause völlig erschöpft im Innenhof auf dem Betonboden saß und einfach nur die Sonne genoss.  Es würde mich ja interessieren, wieviele Termine andere Kolleginnen und Kollegen schafften! Doch es ging ja nicht nur darum: schön waren auch die Gespräche mit Kollegen und das Gefühl, hier ganz nah am Puls der Verlagswelt zu sein.

Am Montag war dann auch meine Präsentation am Stand der SCBWI dran, und ich konnte mit zahlreichen netten Besuchern sprechen, die sich den Vorabdruck des Buches genauer ansehen wollten – darunter sogar ein chinesischer Verlagsleiter samt Sekretärin. Meine Postkarten und die Schoko-Ostereier fanden ebenfalls guten Anklang, und so genoss ich die Aufmerksamkeit und freute mich über das Interesse.

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Am Mittwoch stand noch etwas Besonderes auf meinem Dienstprogramm: das Duell der Illustratoren am Stand der SCBWI! Der unveröffentlichte Text einer Autorin, der  von 100 tanzenden Pinguinen auf dem Mond handelte,  wurde uns beiden Duellanten, David Liew und mir, von Kinderbuchautor und SCBWI-Koordinator Chris Cheng vorgelesen. Dann hatten wir pro Bild 2 Minuten Zeit, um die Geschichte von vorne bis hinten durchzuillustrieren. Nach einer halben Stunde hatten wir unsere Munition verschossen – die Kohle war verbraucht – und dabei wirklich einen Riesenspaß. Ich hoffe, unser Publikum hat sich auch amüsiert.

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Im Illustrator’s Café, das ganz zentral in der Mitte der Hallen liegt und alleine schon mit seinen Veranstaltungen die Reise wert gewesen wäre, hatte ich später das Glück, Chris Riddell zu erleben, der eine Konferenz gab und dazu live zeichnete. Prima war es auch, am Stand des Papierherstellers Fabriano im „Illustrator’s Survival Corner“ die neuesten Papiere, darunter das für gemischte Tusche- und Aquarelltechnik wunderbar geeignete Unica, auszuprobieren, und dabei kurz zu entspannen.

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Als ich am Mittwoch abend erschöpft, aber schweren Herzens die Messehallen verließ, bedauerte ich, nicht alle der Veranstaltungen und Ausstellungen, die die BCBF organisiert hatte,  besucht zu haben: die Galerie der Illustratoren in Bologna – BIG, zahlreiche Ausstellungen des Ehrengastes China,  Konferenzen, Worskhops und Seminare zu jedem erdenklichen Thema aus dem Bereich Illustration und Kinderbuch. Am liebsten wäre ich noch bis zum darauffolgenden letzten Tag geblieben…

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Aber am Abend wollte ich ja unbedingt noch die Vernissage des Illustrators und Künstlers Sergio Ruzzier erleben, der seine Aquarelle im Centro Hamelin inmitten des sehr belebten Universitätsviertels ausstellte. Ich bin jetzt noch froh, dass ich mich dazu entschloss, denn es war ein Highlight, seine kleinen, bizarren und fein gemalten Welten im Original zu bestaunen.

Schließlich war der Donnerstag Vormittag vor meinem Rückflug noch dem Shopping gewidmet: Ich konnte diese liebenswerte Stadt, die jederzeit einen Besuch wert ist, nicht verlassen, ohne in der Innenstadt etwas Fabriano-Papier und bei Ca’pelletti anderthalb Kilo frische Tortellini für meine stets hungrigen Söhne besorgt zu haben. Ja, die Libreria per ragazzi musste ich auch noch besuchen und für meine Töchter ein paar frisch angelieferte Bücher aussuchen.

Und so verliess ich das herrliche „Bologna rossa“ in der Hoffnung, es demnächst wieder auf die Kinderbuchmesse (nächstes Jahr von 25.-28. März) zu schaffen. Ich kann diese Reise jedem – angehenden oder Vollprofi – Illustrator empfehlen, der für Kinderbuch-, Comic- oder Jugendbuchverlage arbeiten möchte. Der Eindruck, den man hier von diesem Berufsfeld erhält, ist aufrüttelnd,  inspirierend und unvergesslich. Mein persönlicher Tipp zum Schluss: Sich gut vorbereiten, viel zum Thema, z.B. auf der Seite der Bologna Fiere lesen, vor Ort aufsaugen, was geht, am besten nicht erst am Freitag zurückfliegen, und nachher mindestens eine Woche Pause machen. (Das ist auch der Grund, warum dieser Text erst jetzt erscheint 😉

(PS: Bei den Links zu  Produkten und Geschäften handelt es sich um meine persönlichen Tipps und nicht um bezahlte Anzeigen.)

Grazie BCBF e arrividerci Bologna!

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